Wissen · 29. September 2026
Kurz gefasst

Die Harzquerbahn war von Anfang an auch eine Güterbahn. Als die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn die Strecke in den 1890er-Jahren baute und 1899 durchgehend eröffnete, gab es im Oberharz kaum gut ausgebaute Straßen, und die Orte entlang der Trasse brauchten einen verlässlichen Weg für Holz, Baustoffe, Kohle und landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Besonders die Forstwirtschaft war auf die Bahn angewiesen. Holz aus den Wäldern um Drei Annen Hohne, Elend, Sorge und Benneckenstein ließ sich auf der Schiene deutlich leichter ins Vorland bringen als mit Pferdefuhrwerken über die Bergstraßen.
In der Gegenrichtung kamen Versorgungsgüter in die Harzorte: Hausbrandkohle, Baumaterial und Waren für Handel und Handwerk. Sie gingen in Wernigerode und Nordhausen, wo die Staatsbahn anschloss, auf die Schmalspur über.
Im Süden, zwischen Ilfeld, Niedersachswerfen und Nordhausen, bestimmten Rohstoffe und Industrie das Aufkommen. Der Südharz ist bekannt für seine Gips- und Anhydritvorkommen, entsprechend wurden dort auch Baustoffe verschickt.
Umgeschlagen wurden Güter an den Bahnhöfen der Harzquerbahn über Ladegleise, Ladestraßen und Rampen. An der rund 60 Kilometer langen Strecke hatten die meisten größeren Bahnhöfe mindestens ein Gleis, auf dem Wagen abgestellt und von Hand oder mit einfachen Hilfsmitteln beladen werden konnten.
Zu einer typischen Ladestelle gehörten:
An den Gleisanlagen ist diese Vergangenheit bis heute abzulesen. Stumpfgleise, breite Flächen neben den Gleisen und Weichenverbindungen, die im reinen Personenverkehr kaum gebraucht würden, gehen meist auf frühere Ladestellen zurück.
Wo die einzelnen Stationen liegen und wie sie im Höhenprofil verteilt sind, steht im Beitrag zu Strecke und Bahnhöfen der Harzquerbahn. Wer diesen Überblick kennt, erkennt beim Durchfahren viele ehemalige Ladegleise wieder.
Außer den öffentlichen Ladestellen gab es Anschlussgleise für einzelne Betriebe. Sie wurden nach Bedarf mit Übergabefahrten bedient, die leere Wagen zustellten und beladene wieder abholten.
Beim Rollwagenverkehr fährt ein normaler Regelspurgüterwagen auf einen meterspurigen Tragwagen, den Rollwagen, und wird auf ihm über die Schmalspurbahn befördert. An der Spurwechselstelle muss die Ladung deshalb nicht umgeladen werden.
An einer Rollwagenanlage läuft das so ab:
Das spart Umladearbeit, vor allem bei Massengütern und empfindlicher Ware. Dafür liegt der Schwerpunkt hoch und auf jeder Achse lastet viel Masse, weshalb für Rollwagenzüge Beschränkungen bei Geschwindigkeit, Zuglänge und Lademaß galten.
Nötig ist außerdem eine Verbindung zum Regelspurnetz. Auf der Harzquerbahn kamen dafür die Endpunkte in Frage, weil in Wernigerode und Nordhausen die Regelspur unmittelbar anschließt.
Mit einem Güterzug auf der Harzquerbahn hast du vor allem an der Steigung zu tun. Zwischen Wernigerode und Drei Annen Hohne steigt die Strecke kräftig an, und ein beladener Zug mit Rollwagen bringt deutlich mehr Masse auf die Schienen als ein Personenzug gleicher Länge.
Bergauf zählen Lokleistung und ein gleichmäßiger Dampfhaushalt. Wer zu früh viel Füllung gibt und den Kessel leerzieht, bleibt im ungünstigsten Fall mitten in der Steigung stehen und muss mit schwerem Zug wieder anfahren.
Bergab geht es hauptsächlich ums Bremsen. Schwere Wagen schieben nach, und ein Zug mit hohem Schwerpunkt verträgt in den engen Bögen des Harzes keine überhöhte Geschwindigkeit.
Für eine Güterfahrt über den Berg helfen ein paar Regeln:
Wie Regler, Steuerung und Bremse im Simulator funktionieren, erklärt der Beitrag über das Fahren mit Dampfloks in Open Rails. Mit einem schweren Güterzug wirkt sich jeder Bedienfehler stärker aus als im Reisezugdienst.
Nach der Wiedervereinigung verlor die Schmalspurbahn ihre Rolle als Gütertransporteur im Harz. Mit dem Ausbau des Straßennetzes und dem Strukturwandel in der Industrie wanderte das Aufkommen zum Lkw ab.
Die 1993 gegründete Harzer Schmalspurbahnen GmbH konzentrierte sich in den folgenden Jahren auf den Personen- und Touristenverkehr. Der Güterverkehr ging stark zurück, einzelne Güterwagen und Rollwagen blieben als historischer Bestand erhalten.
Bei Sonder- und Fotofahrten tauchen solche Fahrzeuge bis heute gelegentlich auf. Auf Fotos aus der DDR-Zeit sieht man gemischte Züge, Rollwagenzüge und Übergaben, also eine Strecke, die ganz anders genutzt wurde als im heutigen Reisezugbetrieb mit Dampf.
In Open Rails bestehen Güteraufgaben vor allem aus Rangieren sowie dem Abholen und Abstellen von Wagen. Eine Aktivität kann zum Beispiel vorgeben, dass du bestimmte Wagen an einem Gleis aufnimmst und an einem anderen Bahnhof wieder abstellst.
Auf einer Schmalspurbahn mit Ladestellen sieht das meist so aus:
Rangieren mit einer Dampflok im engen Bahnhof braucht Übung. Die Gleise sind kurz, also musst du Kuppelstellen und Weichenstellung vorher planen, sonst stehst du mit Lok und Wagen falsch herum. Den Aufbau eines größeren Bahnhofs zeigt der Beitrag zu Gleisplan und Betriebsablauf in Wernigerode.
Das HSB-Add-On ist noch nicht veröffentlicht, und welche Güterwagen, Rollwagen oder Güteraktivitäten es enthalten wird, ist bisher nicht festgelegt. Den aktuellen Stand findest du auf der Startseite und auf der Seite zu den nachgebildeten Strecken.
Ja, die Harzquerbahn zwischen Wernigerode und Nordhausen beförderte seit ihrer durchgehenden Eröffnung 1899 auch Güter wie Holz, Baustoffe und Kohle, bis der Güterverkehr nach 1990 stark zurückging.
Ein Rollwagen ist ein meterspuriger Tragwagen, auf den ein Regelspurgüterwagen aufgefahren wird, damit die Ladung ohne Umladen über die Schmalspurbahn befördert werden kann.
Das HSB-Add-On für Open Rails ist noch nicht veröffentlicht, und ob es Güterzüge oder Güteraktivitäten enthalten wird, steht noch nicht fest. Open Rails selbst unterstützt Aktivitäten, in denen Wagen abgeholt und abgestellt werden.
Ehemalige Ladestellen an der Harzquerbahn erkennt man an Stumpfgleisen neben dem Hauptgleis, an Ladestraßen und Rampen sowie an Weichenverbindungen, die im reinen Personenverkehr kaum gebraucht werden.