Wissen · 11. September 2026
Kurz gefasst

Die Selketalbahn verläuft im Osten des Harzes von Quedlinburg über Gernrode, Mägdesprung, Alexisbad, Silberhütte und Straßberg nach Stiege und von dort weiter nach Hasselfelde oder über Eisfelder Talmühle auf die Harzquerbahn. Damit schließt sich das Netz der Harzer Schmalspurbahnen zum Ring.
Mit rund 51 Kilometern ist sie nach der Harzquerbahn die zweitlängste Strecke im Netz. Die Spurweite beträgt wie im gesamten HSB-Netz 1000 Millimeter, die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 40 km/h.
Die wichtigsten Eckpunkte der Strecke in Fahrtrichtung:
Die Geschichte der Selketalbahn beginnt 1887, als die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE) den Abschnitt von Gernrode nach Mägdesprung eröffnete. Sie war damit die erste Schmalspurbahn mit Meterspur im Harz — die Harzquerbahn der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) entstand erst gut ein Jahrzehnt später.
Ausschlaggebend waren wirtschaftliche Gründe, nicht der Ausflugsverkehr. Das Selketal war ein altes Eisen- und Silberrevier: Hüttenwerke bei Mägdesprung, Silberhütte und der Bergbau um Straßberg brauchten eine leistungsfähige Transportverbindung, die sich durch das enge Tal führen ließ.
Die Meterspur war dafür die naheliegende Wahl. Sie erlaubt engere Bögen und schmalere Einschnitte als die Normalspur und damit eine Trasse, die dem Flusslauf der Selke folgt, statt teure Tunnel und Dämme zu erfordern.
In den Jahren danach wuchs das Netz nach Westen und Süden: Alexisbad, die Stichstrecke nach Harzgerode, Silberhütte und Straßberg kamen hinzu, später folgten Stiege und Hasselfelde. Mit der Verbindung zwischen Stiege und Eisfelder Talmühle entstand schließlich der Anschluss an die Harzquerbahn.
Gernrode am Nordostrand des Harzes ist der historische Ausgangspunkt der Selketalbahn und war über Jahrzehnte ihr Betriebsmittelpunkt mit Lokbehandlung und Werkstatt. Bis 2006 endete hier jede Fahrt auf der Schmalspur.
Hinter Gernrode steigt die Strecke ins Selketal und erreicht bei Mägdesprung den Abschnitt, der das Bild der Bahn bis heute prägt: enge Bögen, dichter Wald, ein schmaler Bahnsteig unmittelbar an der Straße und ein Haltepunkt, der eher an eine Waldbahn erinnert als an eine Hauptbahn.
Betrieblich bedeutet dieser Abschnitt vor allem gleichmäßige Arbeit: keine extremen Steigungen wie auf der Brockenbahn, dafür ständige Richtungswechsel und kurze Sichtweiten. Die 40 km/h Höchstgeschwindigkeit werden hier selten voll ausgefahren.
Für viele Besucher ist genau dieser Teil die Selketalbahn schlechthin — auch, weil sich die Trasse über weite Strecken zu Fuß begleiten lässt und die Züge in der Regel kurz sind.
Alexisbad ist der betriebliche Mittelpunkt der Selketalbahn. Hier kreuzen sich die Züge, hier zweigt die kurze Stichstrecke nach Harzgerode ab, und hier werden Anschlüsse hergestellt — ein Zug wartet auf den Gegenzug, bevor beide weiterfahren.
Der Ort selbst ist ein ehemaliger Kurort im engen Tal, der der Bahn früh zusätzlichen Reiseverkehr brachte. Die Bahnanlagen liegen dicht an der Bebauung, was den Bahnhof trotz seiner geringen Größe unübersichtlich wirken lässt.
Für die Fahrpraxis heißt das: In Alexisbad passiert mehr als nur ein Halt. Wer von Gernrode kommt und nach Harzgerode weiterfahren will, wechselt entweder den Zug oder erlebt eine Rangierbewegung — und wer weiter Richtung Straßberg fährt, muss die Kreuzung abwarten.
Die Kehrschleife bei Stiege ist die bekannteste betriebliche Besonderheit der Selketalbahn: ein Gleisring, in dem ein kompletter Zug die Fahrtrichtung wechselt, ohne dass die Lokomotive umgesetzt oder der Wagenzug getrennt werden muss.
Der Nutzen ist unmittelbar praktisch. In Stiege treffen die Strecken aus Richtung Straßberg, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle zusammen; ohne die Schleife wäre für jeden durchgehenden Zug, der hier die Richtung ändert, eine zeitraubende Umsetzfahrt mit mehreren Weichenbewegungen nötig.
Anlagen dieser Art sind im deutschen Eisenbahnnetz ausgesprochen selten — sie brauchen Platz und einen Bogenradius, den die Meterspur überhaupt erst wirtschaftlich möglich macht. Bei Normalspur wäre ein Gleisring dieser Größe in dieser Lage kaum zu bauen gewesen.
Nebeneffekt für Dampfloks: Nach einer Runde durch die Schleife steht die Lokomotive wieder mit dem Schornstein voran vor dem Zug. Das ist kein reiner Komfort, sondern betrieblich relevant, weil Vorwärtsfahrt für Sicht und Führung der Maschine die günstigere Variante ist.
1946 wurde die Selketalbahn als Reparationsleistung abgebaut — Gleise, Weichen und Fahrzeuge verschwanden, der Betrieb kam vollständig zum Erliegen. Es ist der tiefste Einschnitt in der Geschichte der Strecke.
Der Wiederaufbau begann noch in den späten 1940er Jahren und erfolgte abschnittsweise, sodass nach und nach wieder Züge zwischen Gernrode, Alexisbad und den Orten im oberen Selketal fuhren. 1949 ging die vormals private GHE in der Deutschen Reichsbahn auf.
In der DDR blieb die Selketalbahn eine Bahn mit echtem Verkehrsauftrag: Sie beförderte Schüler, Berufspendler und Güter aus dem Bergbau- und Forstrevier, während der Dampfbetrieb schrittweise durch Dieselloks ergänzt wurde.
Am 1. Februar 1993 übernahm die neu gegründete Harzer Schmalspurbahnen GmbH das gesamte Netz von der Deutschen Reichsbahn. Seither gehören Selketalbahn, Harzquerbahn und Brockenbahn zu einem Unternehmen — eine Konstellation, die es in der Geschichte der Harzer Schmalspurbahnen vorher nie gab.
Seit 2006 fahren die Züge der Selketalbahn wieder bis Quedlinburg. Dafür wurde der Abschnitt zwischen Gernrode und Quedlinburg, der zuvor in Normalspur betrieben worden war, auf Meterspur umgebaut und an die Schmalspurstrecke angebunden.
Das war kein rein touristischer Selbstzweck. Quedlinburg mit seiner UNESCO-Welterbe-Altstadt ist ein deutlich stärkerer Verkehrs- und Reiseknoten als Gernrode und bietet direkten Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn — wer ohne Auto anreist, steigt dort um.
Für die Strecke selbst bedeutete die Verlängerung einen neuen westlichen Endpunkt und einen Abschnitt mit anderem Charakter: offener, weniger Tal, mehr Feldflur, bevor hinter Gernrode das eigentliche Selketal beginnt.
Damit ist die Selketalbahn heute keine reine Museumsbahn, sondern Teil eines zusammenhängenden Netzes von rund 140 Kilometern Meterspur. Wie sich dieses Netz insgesamt zusammensetzt, steht auf der Seite Die Strecken im HSB Simulator.
Im HSB Simulator ist die Selketalbahn vollständig Teil des nachgebildeten Netzes: von Quedlinburg über Gernrode, Mägdesprung, Alexisbad, Silberhütte und Straßberg nach Stiege und weiter nach Hasselfelde und Eisfelder Talmühle, samt Abzweig nach Harzgerode und der Kehrschleife bei Stiege.
Als Einstiegsstrecke ist sie die erste Empfehlung. Kurze Züge, moderate Steigungen und überschaubare Bahnhöfe machen es leichter, sich an Regler, Bremse und Signalbild zu gewöhnen, bevor Harzquerbahn und Brockenbahn an die Reihe kommen.
Betrieblich ist sie trotzdem alles andere als langweilig: Der viele Kreuzungsverkehr in den Ausweichbahnhöfen, Rangieraufgaben und die Fahrtrichtungswechsel in Stiege ergeben mehr Handgriffe pro Kilometer als eine lange Bergfahrt.
Wichtig zum Stand des Projekts: Der HSB Simulator ist ein kostenloses Freizeitprojekt und noch nicht veröffentlicht. Es gibt derzeit keinen Download; die Veröffentlichung wird über den Youtube-Kanal und die Facebook-Gruppe angekündigt.
Hintergrundtexte zu den anderen Strecken, zur Fahrpraxis auf der Dampflok und zur Signalkunde findest Du im Bereich Wissen.
Die Selketalbahn wurde 1887 eröffnet, zunächst auf dem Abschnitt von Gernrode nach Mägdesprung. Betreiber war die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE); die Strecke ist damit der älteste Teil der heutigen Harzer Schmalspurbahnen.
In der Kehrschleife bei Stiege wechselt ein ganzer Zug die Fahrtrichtung, ohne dass die Lokomotive umgesetzt werden muss. Das spart bei durchgehenden Zügen zwischen den Strecken nach Straßberg, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle Zeit und Rangierbewegungen.
Seit 2006. Der Abschnitt zwischen Gernrode und Quedlinburg wurde von Normalspur auf Meterspur umgebaut, sodass die Schmalspurzüge bis Quedlinburg durchfahren und dort Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn haben.
Rund 51 Kilometer von Quedlinburg über Gernrode, Alexisbad und Straßberg bis Hasselfelde beziehungsweise Eisfelder Talmühle, einschließlich der Stichstrecke nach Harzgerode. Die Spurweite beträgt 1000 Millimeter, die Höchstgeschwindigkeit 40 km/h.
Ja, die Selketalbahn ist Teil des nachgebildeten Netzes von rund 140 Kilometern Meterspur, inklusive Alexisbad, Kehrschleife Stiege und Abzweig Harzgerode. Der HSB Simulator ist allerdings noch nicht veröffentlicht und steht derzeit nicht zum Download bereit.