Harz · Deutschland HSB Simulator

Die virtuelle Harzer Schmalspurbahn für Open Rails

Spurweite
1000 mm
Netz
140,4 km
Engine
Open Rails

Wissen · 1. September 2026

Bw Wernigerode: Bekohlung, Wasser und Schlacke

Kurz gefasst

Bekohlungsanlage im Bw Wernigerode
Bekohlungsanlage im Bw Wernigerode

Was im Bahnbetriebswerk Wernigerode täglich passiert

Das Bahnbetriebswerk Wernigerode ist der Ort, an dem die Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen für den Zugdienst fertig gemacht und nach der Schicht wieder versorgt werden. Es liegt am Nordrand des Harzes unmittelbar am Bahnhof Wernigerode, dem Ausgangspunkt der Harzquerbahn.

Vier Anlagen bestimmen den Ablauf: der Lokschuppen als Abstellort, die Bekohlungsanlage, die Wasserversorgung am Wasserkran und die Schlackegrube für Asche und Verbrennungsrückstände. Dazu kommen die Werkstattanlagen im Bereich Westerntor, wenige hundert Meter südlich des Bahnhofs.

Der entscheidende Unterschied zum Triebwagenbetrieb ist der Zeitbedarf. Eine Dampflok wird nicht eingeschaltet, sondern angeheizt: Aus dem kalten Kessel Dampf zu machen dauert Stunden, weshalb der Vorbereitungsdienst lange vor der ersten planmäßigen Abfahrt beginnt.

Genau dieser Vorlauf ist der Grund, warum ein Dampfzug im Betriebsablauf anders eingeplant wird als ein Dieselfahrzeug – und warum das Bw im Simulator nicht bloß Kulisse ist, sondern eine Aufgabe mit eigener Reihenfolge.

Bekohlung: warum die Kohle vor dem Wasser kommt

Bekohlt wird zuerst, weil der Kohlevorrat die längste Reichweite hat und das Fassen am umständlichsten ist. Die Lok fährt dazu unter die Bekohlungsanlage, hält genau unter der Entnahmestelle und nimmt die Kohle in den Kohlenkasten auf.

Die Neubauloks und die Mallets der Harzer Schmalspurbahnen sind Tenderlokomotiven: Kohle und Wasser werden direkt an der Lok mitgeführt, es gibt keinen separaten Schlepptender, den man tauschen könnte. Was an Kohle im Kasten liegt, muss für den kompletten Umlauf reichen.

Nach dem Fassen wird die Kohle im Kasten verteilt und angefeuchtet. Trockener Kohlenstaub brennt schlecht, staubt beim Fahren und macht das gleichmäßige Feuern schwerer – ein Detail, das im Simulator keine Rolle spielt, den realen Ablauf aber prägt.

Wer den Verbrauch abschätzen will, denkt in Steigungen statt in Kilometern: Eine Bergfahrt zum Brocken mit bis zu 33 Promille frisst deutlich mehr Kohle als die gleiche Strecke im Selketal.

Wasser fassen am Wasserkran

Wasser wird als Letztes gefasst, weil es die kürzeste Reichweite aller Betriebsstoffe hat. Die Lok soll mit vollen Wasserkästen an den Zug setzen, nicht mit Vorräten, die schon beim Rangieren im Bw verbraucht wurden.

Am Wasserkran hält die Lok so, dass der Schwenkarm über der Einfüllöffnung des Wasserkastens steht. Gefüllt wird, bis das Wasser überläuft – deshalb ist der Boden rund um jeden Wasserkran auch bei trockenem Wetter nass.

Wasser ist im Dampfbetrieb der kritischere Vorrat: Ohne Kohle sinkt der Kesseldruck langsam, ohne Wasser im Kessel wird es sofort gefährlich. Deshalb gehören Wassernahmen unterwegs, etwa an Unterwegsbahnhöfen der Harzquerbahn, zum normalen Betrieb und sind keine Panne.

Praktische Folge für den Fahrbetrieb: Der Wasserstand im Kessel und der Vorrat im Kasten sind zwei verschiedene Dinge. Der Injektor speist aus dem Kasten in den Kessel – ist der Kasten leer, hilft der beste Injektor nicht mehr.

Schlacke, Asche und Rost am Ende der Schicht

Über die Schlackegrube wird die Lok nach dem Dienst entschlackt: Aschkasten und Rauchkammer werden geleert, die Verbrennungsrückstände fallen in die Grube und werden von dort abgefahren.

Das ist kein kosmetischer Schritt. Ein zugesetzter Rost lässt zu wenig Verbrennungsluft durch, ein voller Aschkasten staut die Hitze, und eine volle Rauchkammer verschlechtert den Zug im Kessel – die Lok wird schlicht schwach, bevor sie überhaupt an den Zug kommt.

In der Praxis fällt Schlackearbeit zweimal an: nach der Rückkehr in die Einsatzstelle und im Rahmen der Vorbereitung, wenn das Feuer aufgezogen und die Reste der Vorschicht ausgeräumt werden.

Für Simulatorfahrer ist die Schlackegrube vor allem ein Orientierungspunkt im Gleisplan des Bw – sie markiert das Ende des Umlaufs, während Bekohlung und Wasserkran den Anfang markieren.

Ablauf einer Lokvorbereitung Schritt für Schritt

Die Lokvorbereitung folgt einer festen Reihenfolge, die sich im Simulator genauso durchspielen lässt wie im Vorbild. Nachgeführt in dieser Reihenfolge geht nichts verloren:

  1. Zustand prüfen: Kesseldruck, Wasserstand im Schauglas, Kohlevorrat und Feuer beurteilen, bevor irgendetwas bewegt wird.
  2. Feuer aufziehen: Reste ausräumen, Feuer über der ganzen Rostfläche aufbauen, Kesseldruck langsam hochbringen.
  3. Aus dem Schuppen ziehen: Weichen prüfen, Schuppengleis verlassen, Richtung Versorgungsanlagen rangieren.
  4. Entschlacken: Aschkasten und Rauchkammer über der Schlackegrube leeren.
  5. Bekohlen: unter der Bekohlungsanlage halten, Kohlenkasten füllen, Kohle verteilen.
  6. Wasser fassen: am Wasserkran bis zum Überlauf füllen.
  7. An den Zug setzen: zum Bahnsteiggleis rangieren, ankuppeln, Bremsleitung verbinden.
  8. Bremsprobe: Bremse anlegen und lösen, Druckaufbau abwarten, erst dann Abfahrbereitschaft melden.

Wer diesen Ablauf einmal komplett fährt, versteht die Fahrplanlage der Harzer Schmalspurbahnen besser: Zwischen dem ersten Handgriff im Bw und der Abfahrt liegt mehr Arbeit als zwischen zwei Unterwegsbahnhöfen.

Was Open Rails vom Vorbereitungsdienst abbildet

Open Rails führt Kohle, Wasser und Sand als eigene Vorratswerte und rechnet sie während der Fahrt herunter. Nachgefüllt wird an hinterlegten Nachfüllstellen (pickup points): Der Zug muss stehen, das richtige Fahrzeug muss an der Entnahmestelle stehen, dann wird die Nachfülltaste (Standardbelegung: T) gedrückt gehalten, bis der Vorrat voll ist.

Die Füllstände und die Kesselwerte stehen in der HUD-Anzeige, die sich mit F5 einblenden lässt; der Streckenmonitor auf F4 hilft beim Rangieren im Bw, weil er Signale und Gleisverlauf voraus zeigt. Die vollständige Tastenbelegung zeigt Open Rails jederzeit über F1.

Ob eine Lok warm oder kalt startet, hängt von der Aufgabe und den Simulationseinstellungen ab. Bei kaltem Kessel gehört das Anheizen zum Spiel und kostet Simulationszeit – bei warmem Start beginnt man mit betriebsbereiter Maschine.

Wichtig für das Verständnis: Nicht jede reale Handlung hat eine eigene Taste. Entschlacken und Kohle anfeuchten sind Teil des Vorbilds, im Simulator zählt vor allem, dass Feuer, Kesseldruck und Vorräte zusammenpassen. Die Grundlagen dazu stehen im Bereich Wissen.

Typische Fehler bei der Lokvorbereitung

Der häufigste Fehler ist, die Vorbereitung zu spät zu beginnen. Wer erst wenige Minuten vor der planmäßigen Abfahrt aus dem Schuppen zieht, schafft Bekohlung, Wasser und Rangierweg nicht mehr und fährt mit Verspätung ab.

Der zweithäufigste Fehler ist die falsche Reihenfolge: erst Wasser, dann Kohle. Das kostet unnötige Rangierfahrten, weil die Lok zweimal an derselben Anlage vorbei muss.

Ebenfalls klassisch: mit halbem Wasserkasten losfahren, weil die Anzeige beim Rangieren gut aussah. Auf der Bergfahrt zum Brocken oder auf der langen Steigung der Harzquerbahn wird daraus ein ungeplanter Halt.

Und schließlich das Feuer selbst: Ein hastig aufgeschütteter Kohlehaufen liefert kurz viel und dann gar nichts. Gleichmäßig verteiltes Feuer und rechtzeitiges Nachlegen sind auf 33 Promille wichtiger als jeder Reglerausschlag.

Das Bw Wernigerode im HSB Simulator

Der HSB Simulator bildet das Bahnbetriebswerk Wernigerode mit Lokschuppen, Bekohlungsanlage, Wasserkran und Schlackegrube nach und nutzt es als Ausgangspunkt mehrerer Aufgaben: Lok aus dem Schuppen ziehen, bekohlen, Wasser fassen, an den Zug setzen.

Das Bw liegt damit am Anfang der Harzquerbahn, die auf rund 60 Kilometern von Wernigerode nach Nordhausen führt. Wie sich daran Brockenbahn, Selketalbahn und die Straßenbahnlinie 10 anschließen, steht auf der Seite Die Strecken im HSB Simulator.

Der HSB Simulator ist ein kostenloses Freeware-Add-On für Open Rails (Stable Version 1.4) und noch nicht veröffentlicht – herunterladen lässt er sich derzeit nicht. Systemvoraussetzungen, Installationsweg und der Stand des Projekts stehen auf der Startseite.

Bis dahin lohnt sich die Vorbereitung an anderer Stelle: Wer den Ablauf aus Feuer, Kessel, Kohle und Wasser in Open Rails schon einmal an einer beliebigen Dampflok geübt hat, steigt im Bw Wernigerode später ohne Umweg ein.


Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge wird eine Dampflok im Bw vorbereitet?

Üblich ist: Zustand prüfen, Feuer aufziehen, aus dem Schuppen ziehen, entschlacken, bekohlen, Wasser fassen, an den Zug setzen und Bremsprobe. Wasser kommt bewusst zuletzt, damit die Lok mit vollem Kasten an den Zug geht.

Wie füllt man in Open Rails Kohle und Wasser nach?

Der Zug muss an einer hinterlegten Nachfüllstelle stehen; dann wird die Nachfülltaste (Standardbelegung: T) gedrückt gehalten, bis der Vorrat voll ist. Die Füllstände zeigt die HUD-Anzeige, die sich mit F5 einblenden lässt.

Wozu dient die Schlackegrube im Bahnbetriebswerk?

Über der Schlackegrube werden Aschkasten und Rauchkammer der Dampflok geleert. Bleiben die Rückstände liegen, kommt zu wenig Verbrennungsluft durch den Rost und die Lok bringt nicht mehr die volle Leistung.

Ist das Bw Wernigerode im HSB Simulator enthalten?

Ja, das Bahnbetriebswerk Wernigerode ist mit Lokschuppen, Bekohlungsanlage, Wasserkran und Schlackegrube nachgebildet und Ausgangspunkt mehrerer Aufgaben. Der HSB Simulator ist allerdings noch nicht veröffentlicht und steht bisher nicht zum Download bereit.

Warum dauert die Vorbereitung einer Dampflok so lange?

Aus dem kalten Kessel Dampf zu machen dauert Stunden, und dazu kommen Entschlacken, Bekohlung, Wassernahme und Rangierwege im Bw. Deshalb beginnt der Vorbereitungsdienst lange vor der ersten planmäßigen Abfahrt.


Demnächst hier erhältlich.

Die Veröffentlichung wird auf dem Youtube-Kanal von HSB Simulator angekündigt.

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